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LÖRRACH “Mitleid(en) macht krank, gegenseitig helfen macht stark.” Was Heinz-Peter Axer am Samstag als Wahlspruch auf seinem T-Shirt trug, könnte ebenso gut als Motto für die IG Miteinander für Behinderte und Nichtbehinderte herhalten, bei dem er Mitglied ist. Um Mitmachen, um das Mittendrinsein ging es denn auch am Infostand auf dem Alten Markt, mit dem sich der gemeinnützige Vereinmit seiner Behindertenselbsthilfearbeit der Öffentlichkeit vorstellte. Auf Initiative des Vorsitzenden Jörg Nörenberg war die Interessengemeinschaft im Jahr 1997 gegründet worden. Zum Ziel erklärte sie, Behinderte und Nichtbehinderte im Freizeitbereich zusammen zu bekommen. Ein Schlüsselerlebnis hatte dazu geführt: Der blinde Jörg Nörenberg fragte an einem Ort, an dem er sich nicht auskannte, einen Rollstuhlfahrer nach dem Weg. Der sagte: “Heb´dich an meinem Rollstuhl fest.” Gemeinsam ging man los und überwand die Behinderung. Eine bunt gemischte Gruppe aus 38 Jungen und Alten, Männern und Frauen, körperlich-, geistig-, seh- und nicht-behinderten Menschen ist seit der Gründung gewachsen. Man geht aufeinander zu, lernt Unsicherheiten und Barrieren abzubauen. Dieses Beispiel in der kleinen Gruppe sollte auch für die Allgemeinheit gelten, denn - so erläuterte OB-Stellvertreterin Ursula Vollmer am Samstag - erst wen man lerne, was Behinderung bedeute, könnten die Betroffenen vollkommen integriert werden und am öffentlichen Leben teilnehmen. So müsse man ein wachsames Auge für kleine Details und Stolpersteine des Alltags bekommen. Die Stadt begleite wohlwollend und mit Rat und Tat die Arbeit der IG Miteinander, so Nörenberg. Das sei nicht nur heute und in diesem Jahr, das zum europäischen Jahr für Menschen mit Behinderung erklärt wurde, wichtig, sondern immer. “Das Bewusstsein des Miteinander kann man gar nicht anders bewirken, als jeden Tag aufs neue darauf hinzuweisen, dass Sie und ich dasselbe Leben haben”, findet Hein-Peter Axer. Er möchte die Behinderten zum Beispiel im nächsten Jahr auch beim Stimmenfestival voll integriert sehen und dazu eine Band mit Behiderten engagieren. Die IG Miteinander hatte zu ihrem Infotag auf dem Alten Markt eine internationale Rollstuhl-Tanz- sportgruppe aus Basel geladen. “Die habe ich schon einmal gesehen”, erzählte der Vorsitzende Jörg Nörenberg kurz vor dem Auftritt begeistert. Dass der Blinde so selbstverständlich von “sehen” sprach verwunderte einen Außenstehenden zunächst. Er muss ein anderes Sehen, eines mit dem Herzen, mit den Gefühlen oder mit den Ohren, gemeint haben. Mit einer zwölfminütigen Kür und einer großartigen Leistung überzeugten die sechs Paare der Rollstuhl-Tanzsportgruppe von Petra Kampe nicht nur Nörenberg, dem Ursula Vollmer genau die herrlich leuchtenden Farben der Tanzkleider beschrieb, sondern mit ihm auch die vielen Besucher auf dem Alten Markt. Bei Rock´n´Roll, Walzer, Rumba zeigten sie mit viel Anmut und Schwung, dass man trotz einer Behinderung Lebensfreude ausstrahlen und selbstbewusst auftreten kann. Und sie widerlegten die Annahme, die auch Petra Kampe anfangs hegte, nämlich, dass zum Tanzen zwei Beine gehören. Die “Zweibeiner” der Gruppe übertanzten die “Rollis” keinesfalls. Nach einem einzigen Training entschied sich die Lörracherin, die seit sie drei Jahre alt ist, tanzt, mit der Gruppe zu arbeiten. Sie weiß: “Für die Rollstuhlfahrer mit diversen Behinderungen ist das richtiger Leistungs- sport, aber die machen das mit so einer Freude.” Die Gruppe ist inzwischen so gut, dass sie immer wieder international auftritt und überall ein Miteinander demonstriert, wie es nicht schöner anzusehen sein kann.
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